Öffentlich-rechtliche Volksverdummung

Da strahlt der WDR am 13.09. einen Beitrag aus, in dem Schüler angeblich den neuen Personalausweis „knacken“. Soviel Verdrehung und Verdummung in einem so kurzen Beitrag kann eigentlich schon kein Zufall oder grob fahrlässig mehr sein, das ist vorsätzliche Volksverdummung. An der sich – leider, leider – auch der ansonsten von mir meist hochgeschätzte Chaos Computer Club noch beteiligt.

Schüler „knacken“ den Chip des Personalausweises? Nein, das haben sie mit ihrer Bastelei ganz sicher nicht geschafft! Unter „knacken“ versteht man landläufig so etwas wie „hacken“, also das Brechen von Sicherheitsmechanismen, um an Informationen zu gelangen, die eigentlich geschützt bleiben sollen. Die Schüler haben den Chip lediglich zerstört – und das offensichtlich unter Anleitung (oder besser Anstiftung) eines WDR-Redakteurs (der sich anscheinend auf einer Art Kreuzzug befindet und auch schon „die PlusMinus-Verblödung“ inszeniert hat, siehe unten) – und eines Physiklehrers.

Wie heißt es im Kommentar zum WDR-Beitrag: „Die Redaktion des WDR-Wirtschaftsmagazins „markt“ hatte eine Idee“… ach du Schande, wenn das das Niveau ist, auf dem Wirtschaftsredakteure des WDR Nachrichten fabrizieren, dann sehe ich mir doch lieber gleich RTL2 an, da gibt’s wenigstens noch etwas Haut dazu zu sehen. Diese tolle „Idee“ der WDR-Redaktion, doch mal einen RFID Chip zu zerstören, ist wieder mal ein alter Hut. Das Bastelprojekt im Physikunterricht ist ein einfacher RFID-Zapper, für den schon seit Jahren do-it-yourself Anleitungen im Internet stehen – genau wie im Beitrag, auch mit einer Einwegkamera…

„Wieder mal“ ein alter Hut sage ich deshalb, weil auch der jüngste „sagenhafte Personalausweis-Hack“ des Chaos Computer Clubs neulich in PlusMinus nur ein langweiliges Aufwärmen einer längst bekannten Sicherheitslücke auf dem Weg zwischen einer Rechnertastatur und einem Kartenlesegerät war – mit dem eigentlichen Personalausweis hatte das nichts zu tun.

Anstatt den richtigen Rat in Hinblick auf diese Lücke zu geben, nämlich „schützt eure Rechner, nutzt Virenschutz- und Antispywareprogramme und haltet sie aktuell“ wird statt dessen der neue Personalausweis als unsicher dargestellt – immer getreu dem Motto „only bad news are good news“. In einem komplexen Thema, wo Otto-Normalmensch auf Hilfe, Erklärung und verständliche Darstellung angewiesen ist, werden bewusst Dinge in einen Sinnzusammenhang gestellt, der nur dazu geeignet ist, Angst und Unsicherheit zu erzeugen.

Ein ähnliches Vorgehen nutzt die katholische Kirche übrigens auch zum Thema Kondome und AIDS: anstatt zum Schutz zu raten, doch lieber gleich auf Sex verzichten – sowieso alles Schweinkram.

Ich prophezeie mal: spätestens in einem Jahr, wenn es nicht mehr „cool“ ist, seinen neuen Perso zu grillen und „es denen da oben mal zu zeigen, f**k you“, dann werden die ersten Schüler anfangen sich zu ärgern, dass sie ein paar Features ihres neuen Personalausweises nicht mehr werden nutzen können.

Liebe WDR-Redaktion, hier noch ein paar weitere tolle Ideen für ähnlich intelligente Folgesendung zum neuen Personalausweis:

  • Personalausweis im Mixer
  • Personalausweis in der Mikrowelle (das wäre was gaaanz Tolles, nämlich noch ein alter Hut)
  • Personalausweis im Kernspintomographen
  • Personalausweis unter der Kette eines Leopard II Panzers (spektakulär!)
  • Personalausweis im Triebwerk eines Airbus A380

ARD – Bei uns sitzen Sie in der ersten Reihe… das mag ja sein, ich habe nur Bedenken, was man da zu sehen bekommt.

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Datum: Mittwoch, 15. September 2010 16:06
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