Tag-Archiv für » Öffentliche Verwaltung «

Open Data und Verantwortung

Freitag, 12. November 2010 22:47

Ein interessantes Gespräch hatte ich vor kurzem zur Frage, welche Verantwortung eine Verwaltung eigentlich trägt, wenn sie ihre Arbeitsdaten als Open Data zur Verfügung stellt und Dritte damit etwas anstellen.

Wenn eine Verwaltung wirklich konsequent Open Data bereit stellt, dann weiß sie in der Tat nicht, wer sich die Daten abholt und was der Nutzer mit den Daten vor hat. Wie er sie aggregiert, korreliert, kombiniert, transformiert, filtert oder interpretiert. Klassisch sind das die Aufgaben, die die Verwaltung selber wahrnimmt – in der Regel werden alle diese Operationen auf die Rohdaten in der Verwaltung angewendet, aus Daten werden damit Informationen gemacht und erst diese werden dann der Öffentlichkeit, der Politik und auch anderen Verwaltungen zur Verfügung gestellt – und für diese Informationen übernimmt die Verwaltung auch die Verantwortung oder sogar die Haftung.

Was, wenn nun jemand die frei zur Verfügung gestellten Daten einer Verwaltung falsch behandelt und daraus – mutwillig oder aus Versehen – Informationen macht, die andere Menschen in die Irre führen, zu falschen Entscheidungen veranlassen oder gar zu Schaden kommen lassen?

Meiner Ansicht nach ist die Antwort relativ einfach. Niemand will, dass die Verwaltungen demnächst nur noch Open Data zur Verfügung stellen. Sie werden – völlig unabhängig vom Open Data Kanal auch weiterhin wie gewohnt ihre ureigenste Aufbereitung von Daten zu Informationen vornehmen. Und sie werden weiterhin dafür die Verantwortung tragen. Hier ändert OpenData gar nichts.

Aber hier hört die Verantwortung dann auch auf. Sobald jemand sich öffentlich bereit gestellte Daten abholt und damit Apps, Mashups oder sonstigen Mehrwert generiert, geht die Verantwortung auf ihn über.

Regeln lässt sich dieser Verantwortungsübergang durch die Verwaltung gut durch die Vergabe einer Open Data Lizenz, hier gibt es aktuell ein sehr gutes Beispiel aus Großbritannien. Auf der Basis der Creative Commons wurde im Oktober 2010 die UK Open Government Licence for Public Sector Information veröffentlicht. Sie ist kurz, übersichtlich und einfach, legt nur wenige Verpflichtungen und Einschränkungen auf und regelt trotzdem alles wesentliche, unter „Keine Gewährleistung“ beispielsweise:

Die Information ist lizenziert ‚wie sie ist‘ und der Informationsanbieter schließt alle Zusicherungen, Gewährleistungen, Verpflichtungen und Verbindlichkeiten im Zusammenhang mit der Information bis zum maximalen gesetzlichen Umfang aus.

Der Informationsanbieter übernimmt keine Haftung für etwaige Fehler oder Auslassungen in den Informationen und ist nicht haftbar für Verluste, Verletzungen oder Schäden irgendwelcher Art, die durch ihre Verwendung entstehen. Der Informationsanbieter garantiert nicht die kontinuierliche Bereitstellung der Informationen.

Es wäre gut, wenn wir mit der Schaffung einer deutschen Open Data Lizenz nach dem Vorbild Großbritanniens auch für unsere deutsche Verwaltung mehr Klarheit schaffen und Unsicherheiten begegnen könnten.

Mein Fazit:

OpenData bedeutet für Verwaltungen einen Verlust des Interpretationsmonopols ihrer Daten – und genau das ist auch so gewollt. OpenData bedeutet für sie aber nicht die Gefahr von zusätzlicher und nicht wahrnehmbarer Verantwortung.

Thema: Government 2.0 | Kommentare (0) | Autor:

Open Data im Detail

Donnerstag, 4. November 2010 23:45

In Diskussionen über Open Data stoße ich häufig auf einige Unschärfen und Verständnisprobleme, die sich meines Erachtens über eine einfache Klassifizierung lösen lassen.

Wissenschaftler analysiert "Open Data"Das, was landläufig und etwas oberflächlich unter Open Data diskutiert wird, sind „die Daten der Öffentlichen Verwaltung“. Gemeint sind dabei in der Regel die „Arbeitsdaten“ der Verwaltung, also zum Beispiel Informationen über Autobahnbaustellen, Bauvorhaben, Kriminalitätsdaten, Haushaltsdaten, Schadstoff-belastungen und vieles mehr. Diese „Open Work Data“ liegen in den Verwaltungen vor (sonst könnten sie ja ihre Aufgaben nicht erfüllen) und dies heute auch zum überwiegenden Teil bereits digital in einer Vielzahl von Fachverfahren.

Es gibt neben diesen Arbeitdaten aber zwei weitere wichtige Elemente für Open Data Projekte, die einer differenzierten Betrachtung bedürfen.

Zum einen die „Daten über die Daten“ – sprich, die Metadaten der Verwaltung. Welche Daten habe ich eigentlich? Was bedeuten sie? Welche Maßeinheit haben sie? In welchen Datentypen liegen sie vor? Welche Aktualität haben sie? Hier gibt es heute noch eklatante Defizite in vielen Verwaltungen. Es gibt in der Regel keine umfassenden Datenkataloge, die erst einmal eine Übersicht über das „Arbeitsdaten-Potenzial“ einer Verwaltung bieten. Geschweige denn, dass diese Datenkataloge irgendeiner standardisierten Ontologie folgen. Hier liegt eine wichtige Aufgabe des IT-Planungsrates, der die Erstellung solcher Datenkataloge in allen Verwaltungen initiieren sollte und der dafür ein zumindest standardisiertes Zielformat definieren muss. Selbstverständlich sind die Kataloge dann als „Open Meta Data“ nach den Open Data Prinzipien zu veröffentlichen.

Zum anderen gibt es die „Leistungsdaten der Verwaltung“ – also Fallzahlen von Vorgängen, Anträgen, Prüfungen oder Genehmigungen, Zugriffszahlen auf Online-Angebote, Kennzahlen zur Effektivität und Effizienz von Verwaltungsprozessen, zukünftig vielleicht sogar einmal Qualitätskennziffern und Kundenzufrieden-heitsindikatoren. In vielen Fällen liegen diese Daten heute noch nicht vor oder sie werden als besondere „Betriebsgeheimnisse“ gehütet. Nicht umsonst findet sich im neuen Grundgesetzartikel 91d nur die im Konjunktiv formulierte Option „Bund und Länder können zur Feststellung und Förderung der Leistungsfähigkeit ihrer Verwaltungen Vergleichsstudien durchführen und die Ergebnisse veröffentlichen.“ Erst wenn wir dazu kommen, dass „Open Performance Data“ veröffentlicht werden – und dies wiederum mit einer standardisierten Ontologie mit klarer Semantik – werden wirklich aussagefähige Leistungsvergleiche zwischen einzelnen Verwaltungen ermöglicht und gute und erfolgreiche Beispiele erkennbar werden.

Diese drei Klassen von Open Data –

• Open Meta Data,
• Open Performance Data und
• Open Work Data

erfordern unterschiedliche Vorgehensweisen und Projekte zu ihrer jeweiligen Erschließung und zumindest für Meta und Performance Data erscheinen mir koordinierte Standardisierungsanstrengungen des IT-Planungsrates sinnvoll.

Vielleicht kann eine solche Klassifizierung von Open Data helfen, in zukünftigen Gesprächen etwas besser zu differenzieren, worüber genau man eigentlich gerade redet.

Thema: Government 2.0 | Kommentare (0) | Autor:

Sparen verboten?

Donnerstag, 23. September 2010 18:25

Ich finde es immer wieder erstaunlich, in wie vielen Gesprächen über Verwaltungsmodernisierungsprojekte mit Kunden das Thema „Einsparen von Personal“ immer noch ein absolutes Tabu-Thema darstellt. Wenn es zum Nutzen von möglichen IT Projekten kommt, wird häufig gezuckt, sobald man einmal auch nur überschlägig quantifiziert, wieviele Stellen durch die optimale und konsequente Einführung beispielsweise eines Dokumentenmanagementsystems oder eines Vorgangsbearbeitungssystems gespart werden können. Mit konsequent meine ich dabei nicht die meistens übliche Elektrifizierung des Bestehenden, sondern eine begleitende, nachhaltige und tiefgreifende Überprüfung, Reorganisation und Verschlankung aller Prozesse und der gesamten Ablauf- und Aufbausituation der jeweiligen Verwaltung(en).

Obwohl seit Jahren bekannt ist, auf welch prekäre Personalsituation sich die öffentliche Verwaltung durch die bestehende Altersstruktur und die demographische gesamtgesellschaftliche Entwicklung zu bewegt – eine meines Erachtens gute Studie dazu kommt von Prognos aus dem letzten Jahr – wird das Thema fast regelmäßig ausgeblendet. In wenigen Jahren fehlen der Verwaltung große Teile ihres Personals – grade auch im höheren Dienst. Sie wird diese nicht im erforderlichen Umfang ersetzen können und es wird – durch die hohen Pensionslasten – für die aktiven Mitarbeiter an Geld fehlen. Gleichzeitig wird die Verwaltung aber kaum jemand von ihren Aufgaben entlasten. Die Erfahrung lehrt das Gegenteil. Sie wird mit deutlich weniger Mitarbeitern mindestens so viel und so gut arbeiten müssen wie heute, eher mehr und noch besser.

Aber statt „Effizienzsteigerung(=Reduzierung des Personalbedarfs)“ als einen wesentlichen Nutzen moderner IT Systeme und Organisationsprojekte beim Namen nennen zu dürfen und sie quantifiziert in eine Kosten-/Nutzenbetrachtung einbringen zu können, wird statt dessen häufig auf den „harmloseren“ Sekundärnutzen gesetzt. Qualitative Verbesserung, Serviceorientierung, attraktivere Arbeitsplätze, bestenfalls Entlastungen, um das beizubehaltende Personal mit anderen Dinge beschäftigen zu können. Alles Nutzendimensionen, die nicht den Widerstand der Personalvertretungen wecken, den eigenen Stellenkegel der jeweiligen Verwaltung und letztlich damit vermeintlich die eigene Bedeutung schmälern oder die Lokalpolitik als Retter von Arbeitsplätzen auf den Plan rufen.

Meiner Beobachtung nach werden daher häufig die wirklichen Effizienzpotenziale einer modernisierten Verwaltungs-IT nicht oder nur sehr unvollständig gehoben. Neben der IT zahlen dazu natürlich auch alle Formen des „Sourcings“, also der Nutzung anderer, externer Ressourcenquellen für die Aufgabenerledigung. Verwaltungsprozess-Outsouring gewinnt in anderen Ländern schon länger an Bedeutung, ist aber in Gesprächen mit vielen Verantwortlichen in der deutschen Verwaltung immer noch “kein Thema“.

Es muss möglich, erlaubt und sogar gewünscht sein, konkret vorzurechnen, dass die konsequente Einführung eines neuen IT Systems oder die Auslagerung von Verwaltungsprozessen hilft, eine Anzahl X Stellen zu sparen. Hilft, sich auf die absehbaren Personaldefizite in der Verwaltung vorzubereiten. Hilft, Geld (Steuermittel) zu sparen.

Diese Informationen und Potenziale müssen zumindest jeweils mal transparent auf den Tisch. Erst dann kann eine fundiert Diskussion statt finden, ob, in welchem Umfang, wie und wie schnell diese Potenziale ausgeschöpft werden sollen.

Hier muss auf Seiten der Verwaltung häufig noch einige Bereitschaft entstehen, sich auf solche Diskussionen einzulassen –

– und die Anbieter müssen viel besser in der Lage sein, den Nutzen ihrer Systeme und Lösungen auch wirklich belastbar quantifizieren zu können. Daran hapert‘s nämlich auch.

Thema: Allgemein | Kommentare (0) | Autor:

Let’s start…

Samstag, 28. November 2009 20:38

Nach reiflicher Überlegung starte ich nun doch nochmal einen eigenen Blog. Ich tue das vorwiegend, weil ich ein paar Ansichten zur Öffentlichen Verwaltung und ihrer politischen Steuerung sowie Informations- und Wissensgesellschaft zur Diskussion stellen möchte – und weil ich mit meinem Diskussionsbedarf nicht fremde Blogs okkupieren möchte. Schau’n wir mal, wie’s sich enwickelt… für Selbstgespräche reicht eigentlich auch ein Spiegel. Also: Ich möchte Gegenfeuer und Kritik, vorzugsweise konstruktive…

Thema: Allgemein | Kommentare (0) | Autor:

Get Adobe Flash player