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Open Data im Detail

Donnerstag, 4. November 2010 23:45

In Diskussionen über Open Data stoße ich häufig auf einige Unschärfen und Verständnisprobleme, die sich meines Erachtens über eine einfache Klassifizierung lösen lassen.

Wissenschaftler analysiert "Open Data"Das, was landläufig und etwas oberflächlich unter Open Data diskutiert wird, sind „die Daten der Öffentlichen Verwaltung“. Gemeint sind dabei in der Regel die „Arbeitsdaten“ der Verwaltung, also zum Beispiel Informationen über Autobahnbaustellen, Bauvorhaben, Kriminalitätsdaten, Haushaltsdaten, Schadstoff-belastungen und vieles mehr. Diese „Open Work Data“ liegen in den Verwaltungen vor (sonst könnten sie ja ihre Aufgaben nicht erfüllen) und dies heute auch zum überwiegenden Teil bereits digital in einer Vielzahl von Fachverfahren.

Es gibt neben diesen Arbeitdaten aber zwei weitere wichtige Elemente für Open Data Projekte, die einer differenzierten Betrachtung bedürfen.

Zum einen die „Daten über die Daten“ – sprich, die Metadaten der Verwaltung. Welche Daten habe ich eigentlich? Was bedeuten sie? Welche Maßeinheit haben sie? In welchen Datentypen liegen sie vor? Welche Aktualität haben sie? Hier gibt es heute noch eklatante Defizite in vielen Verwaltungen. Es gibt in der Regel keine umfassenden Datenkataloge, die erst einmal eine Übersicht über das „Arbeitsdaten-Potenzial“ einer Verwaltung bieten. Geschweige denn, dass diese Datenkataloge irgendeiner standardisierten Ontologie folgen. Hier liegt eine wichtige Aufgabe des IT-Planungsrates, der die Erstellung solcher Datenkataloge in allen Verwaltungen initiieren sollte und der dafür ein zumindest standardisiertes Zielformat definieren muss. Selbstverständlich sind die Kataloge dann als „Open Meta Data“ nach den Open Data Prinzipien zu veröffentlichen.

Zum anderen gibt es die „Leistungsdaten der Verwaltung“ – also Fallzahlen von Vorgängen, Anträgen, Prüfungen oder Genehmigungen, Zugriffszahlen auf Online-Angebote, Kennzahlen zur Effektivität und Effizienz von Verwaltungsprozessen, zukünftig vielleicht sogar einmal Qualitätskennziffern und Kundenzufrieden-heitsindikatoren. In vielen Fällen liegen diese Daten heute noch nicht vor oder sie werden als besondere „Betriebsgeheimnisse“ gehütet. Nicht umsonst findet sich im neuen Grundgesetzartikel 91d nur die im Konjunktiv formulierte Option „Bund und Länder können zur Feststellung und Förderung der Leistungsfähigkeit ihrer Verwaltungen Vergleichsstudien durchführen und die Ergebnisse veröffentlichen.“ Erst wenn wir dazu kommen, dass „Open Performance Data“ veröffentlicht werden – und dies wiederum mit einer standardisierten Ontologie mit klarer Semantik – werden wirklich aussagefähige Leistungsvergleiche zwischen einzelnen Verwaltungen ermöglicht und gute und erfolgreiche Beispiele erkennbar werden.

Diese drei Klassen von Open Data –

• Open Meta Data,
• Open Performance Data und
• Open Work Data

erfordern unterschiedliche Vorgehensweisen und Projekte zu ihrer jeweiligen Erschließung und zumindest für Meta und Performance Data erscheinen mir koordinierte Standardisierungsanstrengungen des IT-Planungsrates sinnvoll.

Vielleicht kann eine solche Klassifizierung von Open Data helfen, in zukünftigen Gesprächen etwas besser zu differenzieren, worüber genau man eigentlich gerade redet.

Thema: Government 2.0 | Kommentare (0) | Autor:

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